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Vor 50 Jahren

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Am Mittwoch, 06. November 1968 erschien im Tages-Anzeiger ein Artikel mit Bild und Text, der über die Idee zur Einrichtung einer Dampfbahn auf der zur baldigen Stilllegung vorgesehenen Strecke Hinwil-Bauma berichtete und sie kantonsweit bekannt machte.

 

Was war bis dato geschehen?

 

Das älteste Dokument im DVZO-Archiv datiert vom 26. Februar 1968. Darin teilt die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur SLM einem „Herrn Thomas Hager“ in Zürich auf „telefonische Anfrage“ mit, dass sie dem Ersuchen nach „vorübergehendem Gebrauch“ einer Dampflokomotive „für Jubiläumsfeier“ nicht entsprechen könne, da „unsere eigene Hoflokomotive […] wegen Selbstgebrauch nicht zur Verfügung“ stehe und die „für das Technorama Winterthur bestimmte Dampflokomotive nicht mehr betriebstüchtig“ sei.

Gut drei Monate später, am 13. Mai 1968, schreiben die Gas- und Wasserwerke St.Gallen an den gleichen Empfänger, dass die „Lokomotive 401 […] bei uns als Ersatzmaschine immer noch in Betrieb ist und sie deshalb vorläufig weder verkauft noch ausgeliehen werden kann“. Ein weiteres Schreiben vom 10. Juni, diesmal von der Cellulosefabrik Attisholz AG, wendet sich bereits an ein bei Thomas Hager domiziliertes „Initiativkomitee UeBB“, wie Mitte Juli auch weitere Briefe der Schweizerischen Südostbahn Wädenswil, der Metallwerke Dornach AG, der Deutschen Bundesbahn und der Schweizerischen Aluminium AG. In allen Schreiben geht es um Dampfloks oder Wagen für eine geplante Museumsbahn. Aus der Korrespondenz lässt sich der Schluss ziehen, dass aus der anfänglichen Idee eines einmaligen Dampfbetriebes zur Begehung des 20-jährigen „Todestages“ der UeBB (andere einschlägige Jubiläumsdaten waren damals nicht zu verzeichnen) bald einmal der Plan einer dauerhaften Museumsbahn zwischen Bubikon und Dürnten entstand. Ein solcher Wunsch wurde von Hager am 29. Mai an die SBB herangetragen. Am 12. August gab die Kreisdirektion III jedoch abschlägigen Bescheid mit dem Hinweis, das Gleis werde „zum Abstellen von leeren, nicht benötigten Wagen“ im Umfang von gleichzeitig bis zu „100 Zementsilowagen“ und für „vertraglich verpflichtete […] Zu- und Abfuhren […] von 10-15 Wagenladungen jährlich (Zuckerrüben/Dünger)“ noch gebraucht. Gleichzeitig schob man den schwarzen Peter elegant der BLS zu, indem Hager dazu ermuntert wurde, sein Vorhaben doch auf der „Bödelibahn“ Interlaken Ost – Bönigen umzusetzen; diese Strecke war erst vor kurzem stillgelegt worden. Aber auch der BLS-Direktor gab am 26. August persönlich abschlägigen Bescheid. Ob hinter dem „Komitee“ weitere Personen standen oder die Bezeichnung ein Stück weit potemkinsches Dorf war, lässt sich heute nicht mehr eruieren – Thomas Hager ist leider bereits in den frühen 80er-Jahren in Südamerika verstorben.

Ab September firmierte Hager seine Korrespondenz mit dem Geschäftsnamen „Oberländer Museumsbahn“, wie weitere Schreiben des Gaswerks der Stadt Zürich (20.09.), der Papierfabrik Perlen (20.09.) und des Gas- und Wasserwerks Basel (02.10.) belegen. Dies nicht ohne Grund: In der Zwischenzeit hatte er nämlich prominenten Support bekommen durch den damals in der Zürcher Kulturszene bestens bekannten und vernetzten Komponisten und Musikpädagogen Armin Schibler (dessen Musikstunden auch der Schreibende zwischen 1984 und 1986 noch besuchte). In der Saure-Gurken-Zeit des Sommers 1968 berichtete ein nicht näher zu identifizierender Zeitungsartikel  über Hagers Aktivitäten und Ambitionen, was Schiblers Interesse weckte. Seine Faszination galt stets dem Kollektiv, das im Idealfall – wie in einem Orchester – die aufsummierten Fähigkeiten seiner einzelnen Mitglieder übertrifft. Diesen Ansatz sah er hier perfekt verwirklicht, denn eine richtige Eisenbahn kann man schlechthin nicht allein betreiben. Zudem entsprach der Fokus auf ein Jugendprojekt dem pädagogischen Impetus des engagierten Musiklehrers. Offenbar nahm er den bislang recht unbekümmert-chaotisch wirkenden Thomas aktiv unter seine Fittiche und gab dem Ganzen die nötige Systematik. Am 05. September wandte sich Armin Schibler in eigenem Namen mittels „Rundschreiben mit einem Fragebogen“ an diverse weitere Rollmaterialhalter, aber auch an die Gemeinderäte der Region Zürichsee-Oberland und an die „Lehrerschaft des Zürcher Oberlandes“. Nach dem Bescheid der SBB wurde nun kurze Zeit auf die andere UeBB-Reststrecke Bubikon-Wolfhausen-Hombrechtikon fokussiert; am 04.10. berichtete Werner Frei, der zu Schiblers Adressatenkreis zählte, im Zürcher Oberländer darüber – dies machte die Idee regional weiter bekannt. Erst nachdem Mitte September 1968 die Stilllegung der Strecke Hinwil-Bauma auf Mai 1969 bekanntgegeben worden war und es sich zeigte, dass das Gleis Wolfhausen-Hombrechtikon nicht gehalten werden kann, rückte im Lauf des Oktobers die später realisierte Lösung in den Vordergrund. In diesem Zeitraum antworteten die Genossenschaft Migros Zürich (26.09.) der Gemeinderat Hombrechtikon (30.09.), die Mittel-Thurgaubahn-Gesellschaft (02.10.), die Schweizerische Reederei AG Basel (04.10.), die Papierfabrik Cham (04.10.), der Gemeinderat Oetwil am See (04.10.), der Gemeinderat Bubikon (16.10.), der Gemeinderat Meilen (18.10.), die Gotthardwerke Bodio (25.10.), der Verkehrsverein Rüti-Tann (01.11.), der Gemeinderat Bäretswil (04.11.), der Gemeinderat Dürnten (06.11.) und der Gemeinderat Hinwil (07.11.) entweder an Schibler oder an Hager. Besonders erfreulich war in der ganzen Menge aller zurückhaltend bis negativ eingestellter Reaktionen die Nachricht der Gebrüder Sulzer Aktiengesellschaft Winterthur vom 04.10.1968, sie „wären bereit, mit Ihnen über eine Abgabe [von 3 Dampflokomotiven] zu sprechen“. Neben einigen positiven Rückmeldungen von Privatpersonen war das schon mal ein Lichblick.

Dies gab der Sache nun den nötigen Schwung. Am 24.10. konnte Hager die Interessenten auf 02.11. „zu einem Gedankenaustausch“ im Restaurant Ochsen Bäretswil einladen, wozu auch der Zürcher Oberländer am Vortag einen Veranstaltungshinweis brachte. Vielsagend merkte Hager an: „Ich habe diesen Treffpunkt aus einem ganz bestimmten Grund gewählt, vielleicht wissen Sie sogar warum“. Es nahmen an der Besprechung verschiedener Traktanden und Fragen 12 Personen teil, wie Werner Frei einige Tage später gegenüber dem Gemeinderat Bäretswil erläuterte. Der Reallehrer und spätere Gründungspräsident übernahm jetzt das administrative Zepter, wie aus dem weiteren Schriftgut hervorgeht. Die Herren Gemeinderäte, aber auch die Interessenten aus allen Generationen und Gesellschaftsschichten hatten nun einen ebenbürtigen Korrespondenten, was dem noch nicht in institutionelle Bahnen gelenkten Unternehmen gut ankam. Sogleich wurde an weitere Zusammenkünfte am 12. und 30. des gleichen Monats eingeladen und auch die Gemeinden ausdrücklich aufgefordert, einen Vertreter zu delegieren. Der Artikel im Tages-Anzeiger vom 06.11.1968 liess das Wachstumstempo parallel dazu noch einmal zulegen.

Nachdem neben vielen begeisterten Zuschriften von Privatpersonen auch die letzten von Schiblers Fragebogen und weitere Stellungnahmen der Gemeindebehörden eingegangen waren, stelle Werner Frei eine Liste interessierter Leute mit 36 Namen zusammen und lud auf Samstag, 30. November 1968 zu einem weiteren Treffen nach Wetzikon ins Restaurant Bahnhof. Dank seiner beharrlichen und diplomatischen Korrespondenz schickten nun auch schon die ersten Gemeinden einen offiziellen Vertreter, obwohl die Skepsis nach wie vor gross war. Der Stellungnahme von Hinwil etwa ist zu entnehmen, dass die zahlreichen Niveauübergänge als problematisch angesehen wurden und man sich im Übrigen hinter der SBB versteckte, während sich Bäretswil geradezu empört zeigte, dass da quasi bereits Geier über die sterbende Eisenbahnlinie herfallen sollen – immerhin schien die baldige und nachhaltige Beendigung des angekündigten Autobus-Versuchsbetriebs Gemeinderaison zu sein. Für die Sache aber war der Hinwiler Gemeindevertreter Walter Aeschimann ein Glücksfall; den jungen eisenbahnbegeisterten Gemeindeschreiber liess die Angelegenheit nicht mehr los, später wurde er DVZO-Mitglied und führte ein Vierteljahrhundert lang mit Umsicht und Geschick die Vereinskasse.

Für Werner Frei war zu diesem Zeitpunkt klar, dass er auf die Gründung eines Vereins hinarbeiten muss, um die Energien zu bündeln und der Idee ein Gesicht zu geben. Thomas Hager wäre damit aufgrund seines Alters und seines Naturells überfordert gewesen, und Armin Schibler war letztlich zu weit weg. Beide zogen sich bald zurück, denn im weiteren Verlauf finden sich bereits praktisch keine Spuren der beiden bisherigen Protagonisten mehr.

Hier erfahren Sie, was im Januar 1969 in der Geschichte des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland vorgefallen ist.

Hier erfahren Sie, was im Februar 1969 in der Geschichte des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland vorgefallen ist.

Hier erfahren Sie, was im März 1969 in der Geschichte des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland vorgefallen ist.

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Hier erfahren Sie, was im Juni 1969 in der Geschichte des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland vorgefallen ist.

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Hier erfahren Sie, was im August 1969 in der Geschichte des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland vorgefallen ist.

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