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Be4/4 15 ausser Betrieb

Be4/4 15 ausser Betrieb

Am 19. Janu­ar 2018 leis­te­te unse­re Be4/4 15 mit einer Tages­leis­tung für Rail­ve­ti­ca nach Olten den vor­der­hand letz­ten Ein­satz ihrer 87-jäh­ri­gen Kar­rie­re. Da im Moment die finan­zi­el­len Mit­tel für eine nicht mehr auf­schieb­ba­re Dreh­ge­stell-Revi­si­on feh­len, wird sie bis auf wei­te­res kon­ser­viert und in Bau­ma abge­stellt. Ersatz­wei­se steht uns für die ope­ra­ti­ven Bedürf­nis­se bis auf wei­te­res die eben­falls in Bau­ma sta­tio­nier­te Be4/4 11 der Schor­no Loco­mo­ti­ves & Machi­nes GmbH zu guten bei­der­sei­ti­gen Kon­di­tio­nen zur Verfügung.

 

Die Be4/4 15 kam vor genau 30 Jah­ren zum DVZO, nach­dem sie bei der Boden­see-Tog­gen­burg Bahn (BT) durch die Uni­ver­sal­lo­ko­mo­ti­ven Re 4/4 (heu­ti­ge Seri­en­be­zeich­nung 456) ersetzt wor­den war. Sei­ner­zeit lös­ten die 6 Be4/4 im Elek­tri­fi­ka­ti­ons­jahr der BT 1931 die 9 Maff­ei-Dampf­loks Eb3/5 ab, von denen eben­falls eine (Nr. 9) bei uns im Ein­satz ist. 1988 war der DVZO noch ein rela­tiv klei­ner Ver­ein unter den Fit­ti­chen der SBB-Kreis­di­rek­ti­on III. Mit genau einer betriebs­be­rei­ten Dampf­lok wur­den jähr­lich 12 öffent­li­che Fahr­sonn­ta­ge und eben­so vie­le Sams­ta­ge für Grup­pen absol­viert. Bei einem Lok­de­fekt und für Ran­gier­ar­bei­ten stan­den die SBB-Sta­ti­ons­trak­to­ren in Hin­wil und Bau­ma zur Ver­fü­gung. In die­ser Aus­gangs­la­ge war die Anschaf­fung der Be4/4 zum 10-jäh­ri­gen Betriebs­ju­bi­lä­um ver­eins­in­tern recht umstrit­ten ; die einen fürch­te­ten eine kurz bevor­ste­hen­de Umbe­zeich­nung des DVZO in EVZO unter voll­stän­di­ger Auf­ga­be des Dampf­be­trie­bes, für ande­re war die 57-jäh­ri­ge Occa­si­on schlicht unnö­ti­ges und viel zu moder­nes Zeug. Der Vor­stand setz­te sich aber durch und kauf­te der BT die sorg­fäl­tig gepfleg­te Lok ab, um künf­tig eine eige­ne und für die schwa­che Neu­t­ha­ler Brü­cke nicht zu schwe­re Reser­ve zu haben. Für das gele­gent­li­che Befah­ren der stei­len Stre­cken in der Umge­bung (bis 30‰, SOB-Süd­netz sogar bis 50‰) kam auch die leis­tungs­fä­hi­ge, 1953 nach­ge­bau­te elek­tri­sche Brem­se ganz zupass.

 

Nach eini­gen ruhi­gen Jah­ren des Pen­sio­nier­ten­le­bens mit weni­ger als 1000 km jähr­lich wuchs die Bean­spru­chung der Lok mit der Bahn­re­form ab 1999 wie­der, da der DVZO kei­nen kom­mer­zi­el­len und betrieb­li­chen Ein­schrän­kun­gen mehr unter­wor­fen war. Nun wur­den fleis­sig Sonder‑, Char­ter- und Dienst­fahr­ten im Raum Zürich und Ost­schweiz unter­nom­men ; 2002, 2005 und 2011 ging es sogar ins Tes­sin. Die Jah­res­leis­tung stieg wie­der auf 3’000 bis 4’000 km – ein Wert nota bene, der im Plan­dienst bei der BT jeweils in 10 bis 14 Tagen erreicht wor­den war. 2009 erfolg­te die Ergän­zung der Zug­be­ein­flus­sung mit ETM‑S, womit die Lok wei­ter­hin unein­ge­schränkt ein­ge­setzt wer­den konnte.

 

Nach ledig­lich einer Tech­ni­schen Kon­trol­le (TK) im Jahr 2003 erleb­te die tech­ni­sche Pfle­ge in den letz­ten Jah­ren unter der Lei­tung von Ales­san­dro Andreo­li eine bedeu­ten­de Stei­ge­rung. Neben dem Rou­ti­ne­un­ter­halt wur­den auch sys­te­ma­ti­sche Erneue­rungs­pro­gram­me initi­iert und durch­ge­führt. Die erheb­li­chen Kos­ten hier­für ver­such­ten wir vor allem durch häu­fi­ge­re Akqui­si­ti­on von Dritt­auf­trä­gen zu decken. Es zeig­te sich jedoch, dass der sub­stan­zi­el­le Zer­fall das Ein­fah­ren von Kut­scher­lohn und die zeit­rau­ben­de Vor­nah­me der Unter­halts­ar­bei­ten mehr und mehr über­holt. Für Ent­schei­de hin­sicht­lich wei­te­rer Inves­ti­tio­nen in die Lok 15 müs­sen zunächst die Ent­wick­lun­gen in der Ver­füg­bar­keit von elek­tri­schen Trieb­fahr­zeu­gen ande­rer Hal­ter abge­war­tet wer­den, zumal die Zusam­men­ar­beit mit befreun­de­ten Ver­ei­nen wei­ter aus­ge­baut wer­den soll. In denk­mal­pfle­ge­ri­scher Hin­sicht ist aus­ser­dem zu beden­ken, dass vom Typ Be4/4 schweiz­weit noch meh­re­re iden­ti­sche Exem­pla­re in Betrieb ste­hen und die Nr. 11 sogar erst 2009 eine Haupt­re­vi­si­on R2 erhal­ten hat. Die Legi­ti­ma­ti­on einer Zulei­tung knap­per Res­sour­cen in die Be4/4 15 bedarf des­halb stren­ger Grün­de, die im Moment nicht gege­ben sind. Mit der Ee3/3 16363 betreibt der DVZO dem­ge­gen­über ein übrig geblie­be­nes Ein­zel­stück, das mit dem gele­gent­li­chen Ein­bau der Zug­be­ein­flus­sung auf­ge­wer­tet und durch fall­wei­sen Zuzug frem­der Trieb­fahr­zeu­ge bei tras­sie­rungs­tech­ni­scher Not­wen­dig­keit einer höhe­ren Vmax ergänzt wer­den kann.