Rückblick auf das Fest 150 Jahre Tösstalbahn

Anhand der Zählungen auf den Zügen der Stammstrecke, den Verkäufen im roten Pfeil und der Schätzungen der Extrazüge im Tösstal kamen wir auf ca. 3’500 – 4’000 einfache Fahrten, das entspricht rund 3’000 Besuchern auf unseren Zügen. Meines Erachtens ein toller Erfolg für den ersten Grossanlass auf eigenem Boden unter der neuen Vereinsführung!
Die Vorbereitungen vor Ort begannen am Freitag bei sintflutartigen Regenfällen, alle Beteiligten waren (mit Ausnahme des Rangierlokführers in seiner warmen Stube) innert Kürze tropfnass. Wir kamen trotzdem gut voran mit nicht benötigtem Material zur Seite stellen und die Züge zu formieren. Die Reihenfolge der Dampfloks konnten wir bereits bei Sonnenschein tauschen, welcher uns bis am Sonntagabend nicht mehr verliess. Auch die farbenfrohe Tribrid-Lokomotive Aeam 841 der LokPool des Herstellers Müller Technologie traf zum Schluss wohlbehalten auf ihrem Austellungsplatz vor dem Depot ein.
Am Samstag begann alles nach Plan, die Extrazüge unserer Partner waren zeitig unterwegs. Da erreichte uns die Nachricht, dass der BDt-Steuerwagen des RBe-Pendels des Verein Depot und Schienenfahrzeuge Koblenz (dsf) ein Problem mit dem Batterieladegerät hätte, und sie unter Notbetrieb vorerst weiterfahren können. Eine Reservelok war in Form ihrer Re 4/4 II 11141 in den alten Swiss-Express Farben bereits unterwegs und konnte für die zweite Runde in Winterthur eingereiht werden. Später im Tag kamen die findigen Koblenzer Mechaniker mit der Bitte auf uns zu, dass sie gerne das Ladegerät noch tauschen würden: Ob wir nicht den Steuerwagen vor der Halle platzieren könnten? Darauf haben die Schrauber in einem Formel-1 würdigen Boxenstopp den Tausch vorgenommen, den Wagen wieder eingereiht und erfolgreich getestet. Die «Crèmeschnitten»-BoBo hingegen konnten wir spontan in die Lokausstellung neben dem Depot aufnehmen.

Der Stundentakt im Tösstal, ergänzt durch die Kollegen des Vereins historische Mittelthurgau-Bahn mit ihrem Thurgauer-Zug inklusive des weit herum bekannten Gastro-Teams verlief problemlos, pünktlich und ab Mittag auch mit so mittlerer Frequenz.
Die vom Mastermind Roger Schmidli durch seine umfangreichen Kontakte «angeteigten» Fluchtfahrten Sennhof-Kyburg–Winterthur Seen–Sennhof-Kyburg der S11, um unsere EXT-Kreuzungen im Sennhof zu ermöglichen, waren ein wichtiges Puzzleteil, um den Fahrplan überhaupt so produzieren zu können. Gleiches gilt für die sauber durchdachten Manöver in Hinwil, wo der DVZO wie üblich nur ein Perrongleis benötigte für die ganze Produktion der Züge.

Auf der Stammstrecke nach Hinwil haben wir einerseits den Jahresfahrplan mit zwei Dampfzügen gefahren. Durch einen Schönheitsfehler im Flyer mussten wir unsere kleine Lok 401 auf dem 5-Wagenzug einsetzen. Ein spezieller Dank daher ans Lokpersonal, welche insgesamt 6x den 86t-Zug wenn überhaupt, dann nur mit marginaler Verspätung im Minutenbereich über den Berg brachten. Zug 2 mit der Lok 9 war auch an beiden Tagen in Topform unterwegs.
Dazu kam noch ein elektrischer Güterzug mit Personenbeförderung (GmP) mit unserer Ee 3/3, welcher die Mittagslücke füllte und noch jeweils einen Supplement-Zug vor- und nachmittags nach Bäretswil und retour machte.
Dieser GmP lieferte noch eine schöne Anekdote: Am Donnerstag der Vorwoche wurde ich von Christian Schlatter nach einem Flachwagen im GmP gefragt mit einem Bild einer kleinen gelben Kutsche so frei nach dem Motto: «Ich hätte da noch schönes Ladegut» Diese sogenannte Wagonette stammt von der Gemeinde Fischenthal bzw. deren Ortsmuseum und wurde uns über Umwege als Leihgabe angeboten. Ob sie wirklich Steg–Fischingen wie angeschrieben über die Hulftegg gefahren ist, lässt sich allerdings nicht zweifelsfrei feststellen.
Ein Flachwagen war flugs noch eingeplant und unser Leiter Oldtimer-Postautobetrieb Beat Rupp mit der Verladung bei der ersten Wende in Bäretswil beauftragt, bevor sein Saurer RH für Verstärkungskurse in Bauma benötigt wurde. Dieser Zusatzaufwand hat sich sehr gelohnt; das Resultat ist sehenswert. Sie verbleibt für die Bahnhofführungen am kommenden Wochenende anlässlich der europäischen Denkmaltage noch verladen und kann besichtigt werden.


Als krönender Abschluss des ersten Tages ist der Rote Pfeil RCe 2/4 607 der Oensingen-Balsthal-Bahn nach seinen Winterthur-Hinwil-Fahrten erstmals seit 2011 über unsere Stammstecke nach Bauma zur Übernachtung gefahren.
SBB-Infrastruktur erlaubte uns für einmal, dass wir das Gleis 2 in Bauma als Übernachtungsort für die elektrischen Gäste benutzten durften, was den Betrieb massiv vereinfachte.
Am Sonntag früh herrschte bereit wieder emsiges Treiben im ganzen Bahnhof und wiederum pünktlich und ohne grosse Vorkommnisse ging der Betrieb den ganzen Tag wie geplant mit einer klaren Steigerung der Fahrgastfrequenz gegenüber dem Samstag über die Bühne.
Die Crew von LokPool und Müller war um die spontane Verstärkung der Ausstellung durch die Swiss-Express-Bobo dankbar, so kamen doch ein paar Zaungäste mehr ins Depot als noch Tags zuvor.
Als gegen Sonntagabend das Einreihen der BoBo an den RBe-Pendel für den Rückweg nach Koblenz anstand, kam plötzlich der Wunsch der LokPool-Crew auf, dafür doch die Aeam 841 zu verwenden, was von unserer Seite natürlich gerne gewährt wurde und eine fotogene Bahnhofrundfahrt ergab. Nicht dass unsere Em 3/3 das nicht selbst gekonnt hätte, im Gegenteil. Während der Rangierarbeiten spürt man die zusätzliche Kraft und den genügenden Luftvorrat als willkommene Entlastung gegenüber dem früher eingesetzten Tem’’’.

Der Betrieb konnte pünktlich abgeschlossen werden, das kurze Aufräumen verlief speditiv. Ich konnte schon kurz vor 18.00 Uhr die Tore der Bahnhofhalle gleisseitig abschliessen.
Das Fazit lässt sich sehen: Die maximale zwischenzeitliche Verspätung eines Dampfzuges: +10’,
die maximale Verspätung eines Tösstal-Extrazuges ab Bauma: +5’.
Wir haben die 100 % Anschlussverfügbarkeit unserer Züge erreicht und nie auch nur eine S26 verspätet. Darauf dürfen wir wirklich stolz sein.
Verbesserungspotential haben neben der erwähnten Lok- und Wagendisposition der Dampfzüge auch die Ausschilderung und der Hinweis auf die Möglichkeit des Besuchs im Depotareal. Hier könnten ein bis zwei Banner am Zaun pragmatisch Abhilfe schaffen. In Extrazügen im Tösstal sollte künftig der Hinweis «Nur mit Spezialbilletten benützbar» im Online-Fahrplan erscheinen, um allfälligen Diskussionen mit den Fahrgästen bezüglich Gültigkeit von GA und ZVV-Billetten besser entgegenwirken zu können.

Ganz zum Schluss gab es für die verbliebenen Kolleginnen und Kollegen noch eine schöne Überraschung: Für das Taxi zum Znacht in den Sunehof ob Bäretswil konnte spontan Beat Rupp und sein Saurer-RH-Postauto gewonnen werden. Stilvoller sind wir noch nie bei der Familie Spörri vorgefahren, die Wirtin Margrit ist fast von der Terrasse gefallen vor Freude. Ein grosses Merci an unseren Postauto-Chef für diese denkwürdige Zugabe.
Nun bleiben mir noch einige Worte des Dankes auszusprechen:
- Der Zürcher Kantonalbank für ihre grosszügige Unterstützung als Hauptsponsor von unseren Bahn-Aktivitäten dieses Jubiläums.
- Den Partner-Organisationen dsf-koblenz, dem Verein historische MThB und der Oensingen-Balsthal-Bahn für die Produktion der elektrischen Extrazüge landauf und landab. So macht Zusammenarbeit in der Bahnszene Schweiz Spass!
- Der LokPool AG und Müller Technologie AG für die Ausstellung ihrer neusten Lok im Stall.
- Der THURBO AG für das Aufgebot an Kundenlenkern vor Ort und die Bereicherung der Standmeile vor der Bahnhofshalle, mit den Sitzgarnituren ihres neuen Flirt-Evo.
- Dem Verein Triebwagen 5 und der Betriebsgruppe 13302 für die Teilnahme mit Ständen in der Halle.
- Bruno Honegger und dem Frauenchor Bauma für zwei strenge Tage in der Perronbeiz.
- Den Zugverkehrsleitern der Betriebszentrale Ost von SBB Infrastruktur für die ständige Erreichbarkeit und prompte Abwicklung aller unserer Rangier-Aufgaben in Bauma und die zusätzlichen Manöver in Hinwil für den Umstieg vom Dampfzug auf den Roten Pfeil und umgekehrt im Gleis 3 an der gleichen Perronkante.
- Den SBB Personenverkehr Produktion und im Besonderen deren Lokführern für die zusätzlichen Kilometer der S11 zwischen Winterthur Seen und Sennhof-Kyburg.
Namentlichen Dank verdienen auch die Hauptträger im DVZO-OK:
- Aliette Rechsteiner, Björn Baumgartner und Florian Vogel als Initianten der Ideen zu diesem Jubiläum von erster Stunde an.
- Roger Schmidli als Mastermind in Sachen Fahrzeugakquise und Erstellung der Fahrpläne unter Zuhilfenahme aller seiner vielfältigen beruflichen Kontakte in die Eisenbahnwelt.
- Christian Schlatter als Oberhaupt des Marketings und des online-Ticketings des kompletten Anlasses.
- Hugo Wenger als Bindeglied zum lokalen OK des Baumer Dorffestes.
- Phillip Meier und Dario Hofmann von Seiten des weiteren Vorstandes und der ganzen Personalplanung.
- Unserem Baumer Rangiermeister Jonas Dolny für die Mithilfe bei meiner Rangierplanung. Er hat mich einmal mehr mit seinen genialen Kniffen tatkräftig unterstützt, damit der 16-seitige Rangierplan erfolgreich abgearbeitet werden konnte und sogar noch spontane Spezialmanöver ihren Platz fanden.
Ganz zum Schluss ziehe ich meinen Bahnhofsinspektoren-Hut vor allen Vereins-Kolleginnen und -Kollegen und bedanke mich für euren grossen Einsatz. Jede Person und jede Charge hat ihren Teil dazu geleistet, dass dieses Wochenende zu diesem Grosserfolg wurde. Es erfüllt mich mit Stolz, Teil dieses tollen Vereins zu sein, der es auch unter den immer schwieriger werdenden Umständen schafft, einen solchen Grossanlass auf die Beine zu stellen und erfolgreich umzusetzen.
Text: Christoph Felix
Fotos: Georg Trüb und Christoph Felix

