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Öffentliche Diskussion zur Zukunft des Amor-Express im DVZO

Öffentliche Diskussion zur Zukunft des Amor-Express im DVZO

Der DVZO-Vorstand lädt die interessierten Mitglieder und Eisenbahnfreunde ein, sich an der Diskussion über die Strategie hinsichtlich Eigentum, Design und weiterem Betrieb des Amor-Express zu beteiligen und ihre Ansichten aktiv einzubringen.

Hierfür stehen zwei Ortstermine in Bauma (Lokdepot, Bahndienstmagazin) zur Verfügung:

Di, 01. März 2016 um 19.00 Uhr

Sa, 05. März 2016 um 13.00 Uhr

Man kann seine Meinung aber auch unten im Kommentarbereich der Seite, per Mail an info(at)dvzo.ch oder über Facebook mitteilen.

Nachfolgend nun einige Hintergrundinformationen zum Amor-Express.

 

Ausgangslage

Auf Anfang 2015 erhielt der DVZO den Amor-Express als Schenkung von der SOB. Die fünf zweiachsigen Personenwagen stammen aus der Gründungszeit der Bodensee-Toggenburg-Bahn um 1912 und wurden ab 1966 in Gesellschaftswagen umgebaut. Dabei entstanden folgende Wagen:

1966 aus C2 409 SWS 1910 -> HOWA („Hochzeitswagen“, hellblau)

1967 aus C2 422 SWS 1913 -> CARO („Carrozza Romantica“, rot)

1968 aus C2 417 SWS 1912 -> zunächst NEBI („Nebelspalter“), 1984 FIWA („Fischerstube“, gelb)

1971 aus F2 812 SIG 1912 -> OLMA („Alphüttli“, grün)

1978 aus CF2 503 SIG 1910 -> JAWA („Jasswagen“, braun)

 

Technischer Zustand der Wagen

Die Wagen wurden von der BT und später von der SOB regelmässig unterhalten und sind in einem nach wie vor befriedigenden Zustand. Sie waren bis 2010 witterungsgeschützt abgestellt und sind daher äusserlich in einem akzeptablen Farbkleid. Jedoch sind die Inneneinrichtung und auch der Farbanstrich in die Jahre gekommen. Für den zeitgemässen Weiterbetrieb müssen die Wagen einer Gesamtsanierung unterzogen werden. Der DVZO hat mit dem finanziellen Beitrag des ehemaligen Eigentümers von jährlich 25’000 Franken sowie des ehemaligen Betreibers von einmalig 50’000 Franken gebunden für den Amor-Express ein Sanierungsprogramm gestartet, das den Erhalt der Wagen vorerst sichert.

 

Historischer Wert der Amor-Express Wagen

Alle fünf Wagen des Amor-Express stammen aus der Gründungszeit der BT und sind in den ältesten Teilen knapp über 100-jährig. Beim Umbau wurden die ersten beiden Fahrzeuge (HOWA und CARO) äusserlich noch wenig verändert, nur die Farbgebung und die Verblechung wechselte. Die anderen drei Wagen wurden im Bereich der Fenster und Tore stark abgeändert. Die ursprüngliche Inneneinrichtung bei allen Wagen wurde komplett entfernt und durch eine Fantasieeinrichtung ersetzt. Die Wagenuntergestelle und die Holzkasten sind alle weitgehend original.

Der Amor-Express hat eigentlich keinen historischen Bezug zum Zürcher Oberland – ähnlich wie die Elektrolok Be4/4 15. Er verkehrte aber genau wie diese fast ein halbes Jahrhundert lang im Toggenburg, einer dem Tössbergland benachbarten, ähnlichen Hügellandschaft. Als eines der ältesten Produkte der Nostalgie-Bahntouristik mit einem zeitweise sehr starken regionalen Identifizierungspotenzial hat er selber schon denkmalpfegerischen Wert.

 

Kommerzieller Wert der Amor-Express Wagen

Die fünf Wagen des Amor-Express verfügen über ein Platzangebot von 18-42 Plätzen, der ganze Zug bietet 152 Plätze. Die Inneneinrichtungen der Wagen sind grundverschieden, Platz für Catering-Infrastruktur gibt es nur im CARO. Originell sind die verschiedenen Thematiken, von der Alphütte über die Fischerstube zum rustikalen Jassstübli. In vier Wagen ist eine Toilette vorhanden. Es gibt durchgehend elektrische und Dampfheizung sowie eine Lautsprecheranlage. Ein Wagenwechsel ist den Fahrgästen dank zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen auch während der Fahrt möglich.

Mit dem Amor-Express hat der DVZO die Möglichkeit zum Betrieb eines cateringtauglichen, beheizbaren und für die Gäste durchgängigen Zuges mit Vmax 80 km/h – womit vorerst weiterhin überall ein Netzzugang möglich ist, sogar auf dicht belasteten S-Bahn-Abschnitten.

 

Zukunft des Amor-Express im DVZO

Auch wenn das Leitbild des DVZO in erster Linie die lebendige Rekonstruktion eines Bahnbetriebs der Zeit um 1900 zum Ziel hat, gibt es noch Platz für nicht vollständig authentische Angebote. So sind die beliebten Buffetwagen weder innen noch farblich in originalem Zustand der Ablieferungsepoche, aber viele Extrafahrten und Zusatzleistungen zugunsten des Vereins können wir erst dank ihnen verkaufen.

Als Halter des Amor-Express ist der DVZO verpflichtet, die Fahrzeuge in betriebsfähigem und sicherem Zustand zu bewahren. Dies generiert zusätzliche Kosten und Fronarbeit, wobei für ersteres vorderhand weiterhin der frühere Eigentümer aufkommt.

Mit seiner geschützten Abstellung in der Baumer Bahnhofhalle beansprucht der Zug 70 von 300 Metern an gedecktem Platz. Dieser Platz würde sonst historischen Güterwagen zugute kommen, die aber keinen kommerziellen und nur teilweise betrieblichen Wert haben. Zudem sind diese Fahrzeuge in ihrer historischen Substanz sehr viel weniger durch ungedecktes Abstellen gefährdet – effektiv leiden nur die verhältnismässig günstig zu ersetzenden Holzlatten und die Farbanstriche unter der Witterung. Ein Personenwagen mit Holzkasten jedoch ist nach 20 bis 30 Jahren im Freien entweder totalsanierungsbedürftig oder abbruchreif.

 

Strategiefindung

Hinsichtlich der weiteren Strategie zur Zukunft des Amor-Express stehen in Abwägung von technischen, historischen und kommerziellen Überlegungen drei Varianten im Vordergrund:

Variante 1: Der DVZO verzichtet mittelfristig auf den Weiterbetrieb des Amor-Express und gibt ihn zusammen mit der finanziellen Unterstützung an eine interessierte Institution weiter; für die SOB ist eine Rückgabe ausgeschlossen.

Variante 2: Der DVZO behält den Amor-Express und betreibt ihn als teilauthentischen Touristikzug im Charterverkehr integral weiter. Eine Totalsanierung aller Wagen muss in den nächsten Jahren durchgeführt werden. Hierzu gibt es zwei Untervarianten

Untervariante 2a: Sanfte Renovierung im derzeitigen Design aussen und innen; eine lebendige Erinnerung an die Bodensee-Toggenburg Bahn ist Voraussetzung der weiteren Unterstützung durch die SOB.

Untervariante 2b: Totalrenovierung mit neuem Design aussen und innen nach den Vorstellungen eines anderen Sponsors (etwa nach dem Vorbild von Möhl’s Apfelsaftexpress)

Variante 3: Der DVZO saniert die beiden historisch wertvollen Wagen CARO und HOWA, indem er sie äusserlich wie innerlich in den Ursprungszustand als zweiachsige Drittklasswagen der Bodensee-Toggenburg Bahn zurückversetzt. Mit den drei anderen Wagen wird nach Variante 1, 2a oder 2b verfahren.

 

Die öffentliche Anhörung und die beiden Diskussionsveranstaltungen sollen die mehrheitlich gewünschte Stossrichtung aufzeigen, damit der Vorstand die Strategie im Detail ausarbeiten und der GV vom 30. März 2016 zur konsultativen Abstimmung unterbreiten kann.

Jürg Hauswirth

Leiter Betrieb DVZO