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Hans-Peter Bärtschi verstorben

Hans-Peter Bärtschi verstorben

Am 02.02.2022 ist Hans-Peter Bärts­chi nach län­ge­rer Krank­heit in Win­ter­thur ver­stor­ben. Wer ihm in den letz­ten Jah­ren begeg­ne­te, sah etwa im zuneh­men­den Schwei­gen all­mäh­lich die Son­ne unter­ge­hen oder hör­te die Geis­sel im Werk­zeug­wa­gen von Gevat­ter Hein schon lei­se klap­pern. Und doch über­rasch­te, wie schnell und früh es dun­kel gewor­den war und somit Zeit zum Schla­fen gehen. In aller Malai­se dank glück­li­chen Umstän­den doch selbstbestimmt.

Von Haus aus Archi­tekt mit ETH-Diplom, beweg­te sich der aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen am hin­te­ren Pfan­nen­stiel stam­men­de Hans-Peter Bärts­chi als Pro­to­typ des « Indus­trie­ar­chäo­lo­gen » stets im Grenz­be­reich zur Geschichts­wis­sen­schaft. Der sei­nen Fähig­kei­ten eigent­lich ent­spre­chen­de Hoch­schul-Lehr­stuhl blieb ihm in den dog­ma­tisch ver­här­te­ten End­jah­ren des kal­ten Kriegs ver­wehrt, weil er sich (spä­ter selbst­kri­tisch auf­ge­ar­bei­tet) weit über das wil­de Stu­den­ten­le­ben hin­aus in einer lin­ken Split­ter­par­tei enga­gier­te. So war er schon früh dar­auf ange­wie­sen, für sei­ne Tätig­kei­ten « Dritt­mit­tel ein­zu­wer­ben », so wie das mitt­ler­wei­le auch an Uni und ETH gang und gäbe ist. Von den ehe­ma­li­gen Dienst­räu­men des Win­ter­thu­rer Depot­in­spek­tors aus ver­wal­te­te Hans-Peter Bärts­chi sein ver­zweig­tes Unter­neh­men, das mit meh­re­ren Ange­stell­ten neben dem obli­ga­ten Fund­rai­sing etwa Grund­la­gen­for­schung, Besich­ti­gun­gen und Rei­sen anbot. Sein umfang­rei­ches foto­gra­fi­sches Erbe ist online bei der ETH Zürich ein­seh­bar, ande­res befin­det sich in Obhut der von ihm gegrün­de­ten Stif­tung Indus­trie­kul­tur. In bereits epo­chen­ge­schicht­li­chem Mass­stab trot­zen die dank Hans-Peter Bärts­chis Wir­ken real exis­tie­ren­den Gebäu­de, Objek­te, Denk­mä­ler, Archi­va­li­en, Doku­men­te in man­cher­lei Gestalt, Ideen und Erkennt­nis­se der Unbill der Hin­fäl­lig­keit weit über die Gren­zen der mensch­li­chen Exis­tenz hin­aus. Und viel­leicht wird ein­mal ein Stras­sen­na­me in Win­ter­thur oder im Zür­cher Ober­land in archi­tek­to­nisch hof­fent­lich hoch­ste­hen­dem Umfeld auch die nach­fol­gen­den Genera­tio­nen an ihn erinnern.

Obwohl seit jeher « nur » Gön­ner im DVZO, ver­half Hans-Peter Bärts­chi mit sei­nem Wir­ken wie sonst nur weni­ge dem Ver­ein einen guten Platz zu fin­den. Den DVZO zeich­net vor man­chen ähn­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen aus, dass er nicht ein­fach nur eine belie­bi­ge Tou­ris­ten­bahn betreibt, son­dern dass er sich in einem pas­sen­den kul­tu­rel­len Netz­werk befin­det, das er selbst tat­kräf­tig mit­ge­stal­tet. Den Boden hier­für berei­te­te Hans-Peter Bärts­chi ganz wesent­lich mit sei­nen For­schun­gen und Publi­ka­tio­nen zur Indus­trie­land­schaft Zür­cher Ober­land. Aus­ser­halb der For­scher­klau­se ver­focht er öffent­lich­keits­wirk­sam seit den frü­hen Acht­zi­ger­jah­ren sei­ne Ideen zur Kon­ser­vie­rung und Revi­ta­li­sie­rung von über­kom­me­nen, über­hol­ten, ver­ges­se­nen, zer­fal­len­den und trotz­dem oder gera­de des­we­gen fas­zi­nie­ren­den Pro­duk­ti­ons­mit­teln und ‑stät­ten zwi­schen Grei­fen­see und Töss­tal. Die Ein­bet­tung in den dar­aus ent­stan­de­nen Indus­trie­lehr­pfad und die unmit­tel­ba­re Nach­bar­schaft zu des­sen Kron­ju­wel, dem Neu­t­ha­ler Ensem­ble, wer­ten den DVZO und sei­ne Akti­vi­tä­ten ideell wie kom­mer­zi­ell nach­hal­tig auf. Erst in die­sem Kon­text wur­de es denn auch mög­lich, dass eine « Bau-Mobi­lie » von natio­na­ler Bedeu­tung wie die ehe­ma­li­ge Bas­ler Cen­tral­bahn-Hal­le in Bau­ma ihr drit­tes Leben verbringt.

03.02.2022 Jürg Hauswirth

Foto : Sym­bol­haft für die eben­so lose wie lan­ge und ver­bor­ge­ne Sym­bio­se zwi­schen dem DVZO und Hans-Peter Bärts­chi steht die­ses Bild aus der Grün­der­zeit des Ver­eins, das der 19-jäh­ri­ge Matu­rand 1969 in der süd­li­chen Abstell­gleis­grup­pe des Bahn­hofs Bias­ca geschos­sen hat. Es zeigt – sin­ni­ger­wei­se neben einer Ladung Koh­le – den Dienst­wa­gen X 92909, einen eins­ti­gen Zweit-/Dritt­klass­wa­gen aus dem 19. Jahr­hun­dert, der im letz­ten Lebens­ab­schnitt als halb­ver­gam­mel­ter SBB-Werk­zeug­wa­gen höchs­tens die Begeis­te­rung eines nost­al­gisch ange­hauch­ten Tech­nik-Freaks zu wecken ver­mag. Bald dar­auf begann der jun­ge DVZO den ähn­lich aus­se­hen­den X 92854 zu restau­rie­ren. Kei­ne 10 Jah­re spä­ter war die­ser als BC 4563 das Schmuck­stück des neu­en Ober­län­der Dampf­zugs — und ist es bis heute.